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Reviews Macbeth - Gotteskrieger 2009


 

RH 267 August 2009 8/10 Platz 8 10 x Dynamit

Die Geschichte von MACBETH reicht bis in alte DDR-Zeiten hinein, auch wenn „Gotteskrieger" erst das zweite echte Album der ostdeutschen, von der Staatsmacht drangsalierten Überlebenskünstler ist. Schwerer, harter, gut gespielter Heavy Metal mit rauen, leicht thrashigen Vocals und ungekünstelten, perfekt passenden deutschen Texten wird auf „Gotteskrieger" geboten, ohne dass MACBETH auch nur den geringsten Onkelz-, Hosen- oder Rammstein-Einschlag (nötig) hätten. Das muss man erst mal hinkriegen. Respekt!....
Dagegen sind leichte Anklänge an Candlemass (Golgatha), Amon Amarth (Das Boot) oder epischere Black-Metal-Größen (Am Grab) auszumachen, was in Verbindung mit den ausdrucksstarken Vocals eine interessante Mischung ergibt, die breite Headbangerschichten ansprechen müsste. Die langjährige Erfahrung der Band schlägt sich im gekonnten, flüssigen Songwriting nieder, das 95 Prozent aller deutschsprachigen Metalbands so nicht hinbekommen. Checkt mal die MACBETH-Homepage an und gebt den betagten Jungs die Chance, die sie längst verdient haben!....

Götz Kühnemund

 
Metal Hammer
 

5/7

Sie sind - 1985 gegründet - eine der dienstältesten Heavy Metal-Bands der ehemaligen DDR und präsentieren jetzt ihr offizielles Debüt, nachdem sie sich 2006 mit einer gleichnamigen Eigenpressung zurückmeldeten: Macbeth aus Erfurt. Musikalisch mauserten sich die Thüringer inzwischen mehr denn je zu einer Art Chamäleon des Genres.

Denn ob traditioneller True- und/oder Power Metal, Thrash, angepunkter Böhse Onkelz-Rock'n Roll oder gar Zitate aus dem Bereich des Mittelalter-Folks: Hier wird alles miteinander vermischt und zu einer äußerst kompakten und homogen Melange verarbeitet. Alleine die Eröffnungshymne 'Unter dem Beil' vereint Iron Maiden-Gitarrenläufe mit unbändiger Metal-Power und dezentem Onkelz-Pathos. 'Hunde wollt ihr ewig leben' könnte (in englischer Sprache gesungen) genauso wie der Titel-Song auch von Bay-Area-Thrashern a la Exodus, Laäz Rockit oder Testament stammen. 'Das Boot' spannt mit seinem klirrend-frostigen Ambiente sogar den Bogen zu Vertretern des skandinavischen Melodie Black Metals, und beim doomig-monolithischen 'Golgotha' würde der unbedarfte Zuhörer im ersten Augenblick auf Neues aus dem Hause InExtremo tippen. So ließe sich der Reigen beliebig fortsetzen - unterm Strich bleibt ein vielseitiges Album, das Liebhaber verschiedener Sparten der harten Klänge gleichermaßen begeistern dürfte. Und das ist heutzutage selten genug...

Andreas Schöwe

 
 

9/10

Ein geschichtliches Siegel wird hier aufgebrochen, angelehnt an das bekannte Stück von William Shakespeare, welches als Namensgeber für diese Band fungierte. Macbeth aus Thüringen haben einen steinigen Weg zurückgelegt, angefangen hat alles zur DDR-Zeit als eine der ersten Heavy Metal Bands des Ostens, feierten sie erste Erfolge, getrübt wurde der Werdegang jedoch durch ein fast schon legendäres Konzert 1986, bei dieser besagten Veranstaltung im Erfurter Stadtgarten, welches durch die strengen Augen der Staatssicherheit beäugelt wurde, sprach man der Band nach der Show ein Spielverbot auf unbestimmte Zeit aus.

Die Ereignisse überschlugen sich, denn auch der Proberaum wurde kurzerhand durch die damalige Oberbürgermeisterin entzogen, doch dem nicht genug, so folgte auch noch die zwangsweise Stilllegung des Band-LKW´S und Macbeth wurden durch all diese Entwickelungen quasi gezwungen, eine Pause einzulegen. Erst im Frühjahr 1987 stand wieder eine komplette Besetzung der Band fest, jedoch mit der Auflage sich umzubenennen, unter dem Namen „Caiman“ ging es fortan weiter, doch die schwarzen Wolken der Vergangenheit verfolgten die Formation auch weiterhin auf ihren Wegen, so musste Sänger Detlef Wittenburg 1988 für ein Jahr hinter Gittern, doch wollte man sich durch diese Umstände nicht schon wieder trennen und so musizierten die Musiker zu viert weiter. Bis zum heutigen Tage folgten noch so manche Niederschläge, die verdaut werden mussten. Im Dezember 1989 erhängte sich Sänger Detlef Wittenburg und auch der Selbstmord des Schlagzeugers waren einschneidende Erlebnisse auf dem schier endlosen Leidensweg dieser Bandgeschichte.

Mit „Gotteskrieger“ bringen die Thüringer nun ihr erstes offizielles Album auf den Markt, welches ich nun hier vorliegen habe. Mit „Unter dem Beil“ steigt man hier in ein historisches Werk ein, welches nicht nur durch die traditionelle Spielweise besticht, der thrashige Sound transportiert die gut durchdachten lyrischen Verse, die allesamt Hand und Fuß haben. Hier wurde auf deutsche Texte gesetzt, die einen Hauch von Historie aufweisen, wie das Stück „Hunde wollt ihr ewig leben“ eindrucksvoll unter beweis stellt, angelehnt an ein Zitat Friedrichs des Großen wird hier feinster Thrash Metal geboten, in seiner reinen umbarmherzigen und rauen Form. Die Refrains fordern dazu auf, die Schlachtrufe aus tiefster Seele mitzubrüllen. Eine atmosphärische Stimmung reist einen mit, durch die Tiefen der Meere, zuhören bei der Interpretation des Songs „Das Boot“, wo Gitarren eine Anspielung zum gleichnamigen Film zelebrieren. Mit „Gotteskrieger“ folgt man der Band auf einen tödlichen Feldzug, schreitend über das vergossene Blut, welches auf dem Schlachtfeld vergossen wurde. Als besonderes Highlight würde ich „Maikäfer flieg“ beschreiben, wer kennt nicht dieses Kinderlied, hier im Background von einer kleinen Mädchenstimme lieblich verkündet, sorgt dieses Stück für Gänsehaut pur. Ein grandioses Ende dieser Scheibe läutet dann „Am Grab“ein, welches mit Leidenschaft im Gesang vorgetragen wird.

Hat diese Band wahrlich einen harten Weg zurückgelegt, welcher tiefe Narben hinterlassen hat, so glänzen sie hier mit neuer Frische. Begeistert bin ich von den gut durchdachten Texten mit historischem Anstrich, die Musik von Macbeth triumphiert durch den guten alten Thrash Metal Stil, welcher gekonnt und abwechselungsreich präsentiert wird.

Andre Stasius

 
 

8,5/10

Heavy Metal hatte es in der ehemaligen DDR nicht leicht. Die 1985 gegründeten Erfurter Macbeth mussten sich ob des Druckes der zuständigen Behörden auflösen und durften erst 1987 unter dem neuen Namen Caiman weiter machen. Doch kurze Zeit später vollzog der Sänger der Band Selbstmord und die Band lag bis 1993 auf Eis. Als Macbeth wieder reuniert, endete schließlich auch diese Zeit mit dem Tod des Drummers. Erst 2002 sollte Macbeth das Licht der Welt erneut erblicken und mit Gotteskrieger wird dieser Tage das zweite Album der Band über Massacre Records veröffentlicht.

Ist denn nun die Musik Macbeths so spannend und tragisch, wie man auf Grund der Bandgeschichte vermuten mag? Zum Teil ja, denn was die Erfurter textlich aus dem Hut zaubern ist alles andere als alltäglich. Gotteskrieger vereint Texte rundum der Geschichte der tragischen deutschen Kriege, beispielsweise “Maikäfer flieg” (aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges), oder “Hunde, wollt ihr ewig leben” (aus dem gleichnamigen Film, als Anspielung auf ein Zitat Friedrichs des Großen bei der Niederlage Preußens gegen Österreich in der Schlacht bei Kolin). Toll ist es, dass die Texte vollständig auf Deutsch gesungen werden, was mir persönlich sehr gefällt. So sind die Texte intelligent und doch leicht zu verstehen und liefern auch die bittere Ironie, welche schon in den historischen Texten belegt ist. Die Darbietung dieser von Oliver Hippauf erinnert mich dabei etwas an einen heiseren Chris Bolthendahl, wirkt aber angenehm eigenständig und passend zu den martialischen Antikriegstexten.

Auch in Sachen Musik kann Macbeth überzeugen. Der Hauptaugenmerk liegt auf traditionellem Heavy Metal, ohne großen Firlefanz wie Keyboards oder Seitengefrickel, versehen mit griffigen Thrash und stellenweise sägenden Death Metal Riffs. So könnte ein Stück wie “Am Grab” auch aus der Feder Amon Amarths stammen, wäre da nicht die etwas softere Ausrichtung und der prägende Gesang. Was aber das wichtigste ist, ist, dass Macbeth es schaffen einfach geile Songs zu schreiben, so gefällt “Am Grab” durch seine groovige Langsamkeit und sein mit Streichern besetztes Ende, “Hunde wollt ihr ewig Leben” ist treibend und in Verbindung mit dem Text verdammt eingängig. Und das bereits erwähnte “Maikäfer flieg” stellt quasi einen absoluten Höhepunkt durch den unschuldigen Kindergesang des Refrains dar. Am stärksten ist aber wohl die Adaption der “Das Boot” Melodie von Klaus Doldinger an der man merkt, dass eine metallisierte Version des Hauptthemas exzellent zusammen passt. Verpackt wurde Gotteskrieger in eine sehr fette Produktion, was dem ganzen die Krone noch aufsetzt.

Fazit:

Wiedereinmal bin ich sehr überrascht, hätte ich doch nie gedacht, dass mir Gotteskrieger so zusagen würde. Wenn man mit dem Gesang klar kommt, dürfte es für jeden Fan traditioneller Metal Klänge keinen Grund geben nicht in Macbeth rein zuhören. Tolle Texte, eingängige, ehrliche Musik und eine starke Produktion, was will man mehr?

ISKHARIAN

 
 

9/10

Ein Name, der sofort an „William Shakespeare“ erinnert und ja, in der Tat geht es hier auch ein Stück weit historisch zu. Macbeth die Band aus Thüringen hatte es zu Beginn ihrer Gründung 1985 wahrlich nicht leicht sich zu etablieren, wurden ihnen damals doch erhebliche Steine in den Weg gelegt, die es galt zu durchbrechen. Als eine der ersten Heavy Metal Bands der ehemaligen DDR wurde der Band 1986 nach einem Konzert im Erfurter Stadtgarten, welches strengstens von der damaligen Staatssicherheit überwacht wurde, ein Spielverbot auf unbestimmte Zeit ausgesprochen. Ihnen wurde zudem auch noch die Zulassung für ihren Band-LKW entzogen und der Proberaum von der damaligen Oberbürgermeisterin gekündigt, doch das war nur der Anfang, einer leidigen Odyssee in der Geschichte von Macbeth. Nun nach dieser niederschmetternden Zeit soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden und Macbeth möchten erneut zeigen, welche gewaltige Kraft sie antreibt. Mit Gotteskrieger erscheint nun das erste offizielle Album der Thüringer Thrash Metaller über Massacre Records und mit diesem Werk beginnt auch ein Feldzug durch die Geschichte, so spiegelt sich in den Texten die Dramatik der deutschen Kriege wieder und auch ein Zitat Friedrichs des Großen, bei der Niederlage Preußens gegen Österreich, in der Schlacht bei Kolin ist in einem Stück der Band verewigt worden.

Brachial steigt man hier in das Werk ein, mit „Unter dem Beil“ spürt man deutlich die Intensität dieses Stückes, der Refrain hat Mitgröhl Karakter und der Sound besticht durch gut Gespielten Traditionellem Heavy / Thrash Metal, ohne großen Firlefanz wie Keyboards oder Ähnlichen. Die Theatralik im Song „Hunde wollt ihr ewig leben“ setzt sich erhaben über alles hinweg, es ist eben dieser Song in dem auf ein Zitat Friedrichs des Großen eingegangen wird. Mehr als großartig finde ich die Umsetzung des Stücks „Das Boot“ zum gleichnamigen Film, mal eine ganz andere Interpretation bekommt man so zu hören, das Unheil wird hier von den Gitarren getragen und in Richtung Hörmuschel des Lauschenden getragen, intensiv wird man verleitet den Schlachtruf mitzuschreien Feuer frei, schallt es aus tiefster Seele. Spielerisch fühlt man sich an alte „Destruction“ Scheiben erinnert, was im Titeltrack „Gotteskrieger“ gut veranschaulicht wird, lyrisch begibt man sich hier mit der Band auf eine tödliche Mission. Fantastisch auch die Anspielung auf den Dreißigjährigen Krieg und dem traditionellen Kinderlied „Maikäfer flieg“, berührt einen der lieblich der Gesang des kleinen Mädchens, die vor dem inneren Auge, inmitten der Trümmer steht und traurig dieses Kinderlied singt. Ein schon fast hymnenhaftes Ende bekommt man in dem Song „Am Grab“ zu hören und ein wenig Wehmut kommt auf, da dieses meisterhafte Album an dieser Stelle seinen Ausklang findet.

Fazit :Mehr als überrascht hat mich dieses Werk, ich bin äußerst angetan von den durchgehend intelligenten Texten, die hier dargebracht werden, musikalisch, nicht nur durch die Härte der Gitarren angetrieben, finden sich auf diesem Album eine Vielzahl hitverdächtiger Stücke wieder, neben Bands wie Eisregen und den Apokalyptischen Reitern, finden nun auch Macbeth den Weg heraus aus dem Underground.

Andre [A.S]

 
 

11/15

Die Erfurter stellen in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit dar. Obwohl Macbeth bereits 1985 gegründet wurde ist „Gotteskrieger“ die erste offizielle Veröffentlichung seit dieser Zeit. Warum? Die Band war eine der ersten Metal-Gruppierungen der damaligen DDR und konnte auf zahlreichen Konzerten viele Fans gewinnen - bis die Polizei ein Konzert in Erfurt aus „Sicherheitsgründen“ abbrach. Die danach entstandenen Ausschreitungen der Fans besiegelten das Ende der Band. Macbeth wurde offiziell verboten und ein langer Feldzug gegen die Band nahm seinen Anfang. Gepflastert von Musikerwechseln, tragischen Todesfällen, Auflösungen und Namensänderungen ging es erst im neuen Jahrtausend wieder richtig aufwärts. Gestärkt durch die Ereignisse der Vergangenheit begannen die übrig gebliebenen Mitglieder an neuem Material zu arbeiten und an alte Erfolge anzuknüpfen. Das Ergebnis hört auf den Namen „Gotteskrieger“.
Die fünf Thüringer setzen sich in die Lücke zwischen treibenden Thrash und klassischem Metal und garnieren diesen mit klischeefreien deutschen Texten, die von Olli Hippaufs intensiver und rauer Stimme zum Leben erweckt werden. Dank der hohen Eigenständigkeit des Materials fällt es schwer Vergleiche aufzuziehen. Instrumental schimmern beim Riffing immer wieder Mal die mächtigen Amon Amarth, bei den Melodien hingegen Iron Maiden durch. Ollis Stimme hingegen klingt am ehesten nach einem in rostige Nägel getauchten Fuchs von den Reitern. Ausfälle gibt es keine – Alle zehn Songs bestechen durch schlüssiges Songwriting, Kreativität (wie das Filmmusik-Zitat in „Das Boot“ oder die erst irritierende aber dennoch kitschfreie Kindermelodie in „Maikäfer flieg“) und fetten Sound. Mit einem so starken Album im Gepäck wird es Macbeth nicht schwer fallen wieder auf breiter Ebene Fuß zu fassen.

mk

 
 

99%

Die 1985 in der damaligen DDR gegründete Thrash Metal Band Macbeth veröffentlicht mit "Gotteskrieger" ihr Debutalbum. Gesungen wird in der Muttersprache: Deutsch, das macht den Sound gleich noch ein wenig brachialer.

"Unter dem Beil" eröffnet das Album. Der Song kommt direkt daher. Ohne grosses Intro wird gleich heftig losgelegt. Was mir neben der Deutschen Sprache auffällt, sind die vielen Vergleiche, welche man zu anderen Rock/Metal Bands aus Deutschland ziehen kann. Finde ich mich zum Teil vom Takt und den Drums ein wenig an Rammstein erinnert. Aber die Band hat in ihrer langen Geschichte ja auch schon mit einigen ihrer Landsgenossen auftreten dürfen. "Hunde wollt ihr ewig leben" ist das nächste Stück auf der Scheibe. Der Schwung aus dem ersten Track wird mitgenommen und wartet mit noch härteren Passagen auf. Es macht den Anschein als ob die Band hier erst richtig in Fahrt gekommen ist. Und weiter geht es mit "Das Boot", welches übrigens auch (wie schon "Hunde wollt ihr ewig leben") ein Titel eines Deutschen Films zum 2. Weltkrieg ist. Nun könnte man darüber spekulieren ob Macbeth hier eine Art Vergangenheitsbewältigung betreiben oder einfach nur gute Musik machen. Ich überlasse dies jedoch jedem selbst, wie er das auffassen will. Fest steht, dass auch dieser Song sich mit dem Thema Tod auseinandersetzt. Die Steigerung des Themas geht nun nur noch über die Religion und so hat dann auch "Golgatha" die Kreuzigung zum Thema. Schwer klingen hier die Gitarren im Intro und der Song ist etwas langsamer, wie schon auch "Das Boot". Im Einklang mit den schweren Gitarrenriffs klingt hier auch die Stimme von Olli Hippauf schwerer. "Golgatha" ist meines Erachtens eines der Highlights auf dieser Scheibe. Mit "Vater" folgt ein kurzes, leichtklingenes, schon fast versöhnlich wirkendes Intermezzo. Darauf folgt der Titeltrack "Gotteskrieger", welches mein absoluter Favorit ist. Schnell, brachial und mit einem eingänglichen Refrain versehen - ein Anwärter auf einen Hit.
Danach wird das Neue Testament wieder verlassen und eine elegante Anspielung auf Metallica mit "Schlaf Kindlein Schlaf" innerhalb von "Maikäfer flieg" entzückt die Ohren. Ein weiterer guter Song auf dieser Scheibe. "Mein kleiner Soldat" hat im Refrain wieder ähnliche Qualitäten wie bereits "Gotteskrieger". Die letzten Songs auf der Scheibe sind allesamt sehr gelungen.

Den Ostdeutschen ist hier ein richtig vielversprechendes Album gelungen, welches glaube ich in die deutschsprachige Metalgeschichte eingehen wird. Die Songs sind durchdacht und perfekt inszeniert. Darüber hinaus sind die Texte (und vor allem Liedtitel) sehr gut ausgewählt und drehen sich um einen Themenbereich, den Tod. Vielfach werden auch Inhalte aus der Bibel wiedergegeben, was mich persönlich sehr fasziniert hat. Beginnend beim Alten Testament im Song "Unter dem Beil", hin zum Neuen Testament in "Golgatha" und "Vater", sowie noch ein wenig Offenbarung in "Gotteskrieger".

Wer also Onkelz und ähnliche deutschsprachige Bands mag, dem sei dieses Album dringendst empfohlen, da es seit längerem eines der besten Alben ist, das mir in die Finger (zu Ohren) gekommen ist.

 
 

8/10

Deutschsprachige Musik ist ein zweischneidiges Schwert. Gerade wenn man so schaut, was im Metal mit deutscher Sprache zuletzt so auf den Markt gekommen ist. Entweder Pseudobösewichte wie Eisregen und Endstille, oder überbewertete Bands a lá Deadlock oder Callejon (oder wie immer die auch heißen mögen). Jedenfalls war in der jüngeren Vergangenheit nicht alles Gold, was an Metal in deutscher Sprache dargeboten wurde. Nun schicken sich aber Macbeth aus Thüringen mit ihrem Debütalbem „Gotteskrieger“ an diesen Umstand zu ändern. Auch wenn es sich um das Debüt der Herren handelt, so sind sie alles nur keine Greenhorns mehr. Gegründet wurde die Band bereits im Jahre 1985 und nach einiger Zeit auch vom DDR Regime verboten. Desweiteren wurde die Band von mehr als einem Schicksalsschlag gebeutelt. Selbstmorde, was bei den Repressalien des Regimes auch wirklich keinen verwundert, Strafen, Gefängnisaufenthalte und das alles nur wegen der Musik. Das Durchhaltevermögen der Band ist unglaublich und nun nach 24 Jahren Existenz erscheint das Debüt, Wahnsinn. Nur was kann man von einer Band erwarten, die so lange auf diesen Moment gewartet hat? Welche Musik erwartet den Hörer? Altbackener Hardrock/Metal oder gar wüstestes Geschrote, was man beim Anblick des Covers erwarten könnte? Nein, die Herren aus Thüringen haben sich dem Power/Heavy Metal verschrieben und leihen sich im Riffing auch einige Ideen aus dem Thrash Bereich aus.

Bei Songs in deutscher Sprache besteht ja leider auch immer die Gefahr, dass man sich allzu sehr in Pathos verliert und auch so manch anderes Fettnäpfchen tut sich auf, wenn man versucht Texte in deutscher Sprache zu schreiben. Glücklicherweise umschiffen Macbeth diese Klippen zumeist gekonnt und Texte wie „Golgatha“ oder „Maikäfer Flieg“ wirken nicht aufgesetzt oder künstlich. Über den Ausrutscher „Mein Kleiner Soldat“ kann man das Mäntelchen des Schweigens hüllen, denn auch bei Bands die in englischer Sprache singen ist Lyrik nicht immer vorprogrammiert. Einige Songs behandeln das Thema Krieg und Macbeth schaffen es, worin auch immer eine Gefahr besteht, über diese Themen mit Inbrunst zu berichten, aber es nicht zu glorifizieren. Zwar brauchen Songs wie „Hunde wollt ihr ewig leben“ oder „Das Boot“, in dem die Filmmelodie gut verarbeitet wurde, mehrere Durchläufe um die Intention des Songs zu erkennen, aber wer hat gesagt, dass Musik immer einfach sein muss. So den Texten habe ich wohl genug Aufmerksamkeit geschenkt und wende mich nun der Musik an sich zu.

Auf „Gotteskrieger“ lassen die Jungs aus Thüringen nichts anbrennen und wuchten ihre Songs mit spürbarem Elan und auch mit musikalischer Finesse aus den Boxen. Schwere Riffberge und sehr gute Rhythmusarbeit zeichnen dieses Album aus und Walzen wie „Golgatha“, das manchmal vielleicht sogar an die rhythmusbetonte Härte Rammsteins erinnert, verlässt den Gehörgang nicht so schnell wie es bei vielen anderen Bands der Fall ist. Auffallen ist, dass sich zwar kein Song wirklich gleicht, aber man immer erkennen kann, dass es sich um ein und dieselbe Band handelt. Besondere Sänger Olli Hippauf muss ich Lob zollen, sein Organ, welches recht rau ist und den Songs viel Wiedererkennungswert beschert, erinnert mich an eine Mischung aus Chris Boltendahl und Rock´N´Rolf und glücklicherweise ist jedes Wort verständlich, so dass die Songs niemals in Ratespiele ausarten.

Fans von technisch anspruchsvollem Metal sollten „Gotteskrieger“ einmal einem Test unterziehen. Viele werden die Band zu Unrecht ins Thrash Lager schieben, aber für diesen Umstand sind die Herren viel zu differenziert und melodisch. Auch Fans der Onkelz sollten vielleicht mal bei „Gotteskrieger“ ein Ohr riskieren, denn auch wenn Macbeth sich niemals selbst beweihräuchern, so ist die Musik der Thüringer ähnlich ehrlich, wie die der Typen aus Frankfurt, wenn man da jemals von Ehrlichkeit sprechen konnte. Aber egal, als Metal Fan, der auch vor der deutschen Sprache zurückschreckt, sollte man Macbeth wenigstens mal gehört haben und wenn die Jungs nun ein bisschen mehr Glück haben als bisher in ihrer Karriere, dann wird man von ihnen gewiss noch einiges hören.

Claudio

 
 

Da haben sich die Herrschaften von Massacre Records ein gehörig altes Eisen ins Boot gezogen. Macbeth fungieren mit ihrer Musik ja schon etwa seit 1985. Mag auf der einen Seite unspektakulär klingen, doch wenn man sich mit der Geschichte im Heavy Metal genauer befasst wird man feststellen das die Herrschaften aus Thüringen keinen einfachen Start hatten und bereits unter dem wachsamen Auge des MFS (Ministerum für Staatssicherheit) mit ihrer Musik gegen das Establishment der DDR angekämpft hatten. Nach dem Fall des eisernen Vorhanges war es etwas ruhiger geworden um die Herrschaften und nur ein Full Length Album aus dem Jahre 2006 lies dich Burschen nicht vollends vom Bildschirm verschwinden. Nun ist es soweit mit 24.07.09 steht das zweite Lebenszeichen mit dem Namen „Gotteskrieger" in den Startlöchern. Olli Hippauf (voc), Ralf Klein (guit), Alexander Kopp (guit) und Hanjo Papst (bass) und Patrick W. Engel (drums) zelebrieren auch diesmal räudigen Heavy Metal mit einer raueren Thrash Kante und dazu gibt es noch deutsche Lyrics. Findet man so bzw. in dieser Genreschublade doch eher selten.

Mit der Schnittmenge grooviger, shakiger Thrash Musik wird das Album mit „Unter Dem Beil" gestartet. Recht bretterndes Stück das uns hier geboten wird und die deutschen Lyrics passen hierzu wirklich außerordentlich gut. Kürzer rockt man im rauen Bereich, bevor man immer wieder als temporäre Weiterführung deutlich mehr an Fahrt hinzu gewinnt. „Hunde wollt ihr ewig leben" ist ja für Geschichtsinteressierte nicht unbekannt, dieser Ausspruch stammt ja von einer gewissen Person während des zweiten Weltkriegs. Wie auch immer an zweiter Stelle ackert der Trupp hier sehr räudig und rotzig. Man tingelt immer wieder vom durchwegs bretternden Gesamtsound kurzerhand in etwas heroischere Refraingefilde hin und her und zu den Texten kann man sich sehr gut an den Film von Frank Wisbar aus dem Jahr 1959 erinnern. Die Thematik Krieg, Leid, Tod und menschenverachtende Gefühle hat man hier wirklich sauber, musikalische in Szene gesetzt. Ruhig und dennoch mit einem gewissen Düsterfeeling wird nun „Das Boot" eingeläutet, welches kurzerhand mit einer ordentlichen Doomwand weiter geführt wird. Die Filmmusik zum gleichnamigen Film dürfte wohl jedem bekannt sein und diese Fragmente dienen diesem Stück öfters als Hintergrundsound. Sehr satt und rau wird aber im Vordergrund dahin gedonnert was das Zeug hält. Auch hier wird sehr viel Hass versprüht, wobei auch einige Ängste der damaligen U-Boot Besatzungsmitgliedern wieder gespiegelt werden. So tendiert man des Öfteren in einen kürzeren Black Metal Gitarrenbreak, bevor die Mannschaft aus den Tiefen der Ozeane wieder vorstößt und zu einem neuen Angriff startet. Gutes Gebräu aus Black, Thrash und teils melancholischen Soundfragmenten welche sehr druckvoll aus den Boxen dröhnen. Rech düster und beschaulich ist auch die Einleitung von „Golgatha" ausgefallen, wobei es der Titel schon erahnen lässt geht es hier sehr orientalische zu. Dies wird auch beim deutlich flotteren Nachschub klar weiter gefahren. Dadurch hat man eine sehr stampfende, hasserfüllte Nummer geschaffen die durch ihre groovenden Breaks ordentlich in die Magengegend vorstößt. Auch hier kommt wieder die Geschichte den Vorzug, wobei man aber hier das Rad der Zeit deutlich weiter und zwar zurück in die Antike dreht. Noch um Ecken verhaltener wird nun „Vater" nachgeschoben. Dieses kürzere Instrumentalstück verschafft kurzerhand etwas Zeit für einen Soundgenuss in entspannter Lage. Mit „Gotteskrieger" beehrt man uns mit einem Song, welcher von den Lyrics her up to date ist. Vom Tempo rotieren die German Heavy/Thrasher wieder deutlich speediger daher und verlassen die Bretterschiene nur kurz für den Chorlastigen Refrainteil, der einmal mehr wieder sehr heroisch ausgefallen ist. Als Zugabe soliert die Gitarrenfraktion und bietet noch etwas mehr für den Melodieschub. Mit „Maikäfer flieg" geht es nun weiter und man galoppiert hier sauber und flott dahin und nur für einige lieblichere Ausbrecher wird dies abgelöst. Der Titel sagt es schon aus, hier hat man das alte Volkslied aus dem dreißigjährigen Krieg mit eigenen Texten komplettiert und das klingt räudig und dadurch röhrt der Trupp hier ordentlich dahin. Superbe Vermengung von alten Songtexten des Stücks und eigenen Ideen die man zu einer facettenreichen Mischung zusammengefasst hat. Mit einer ordentlichen Doom Gitarrenwand wird nun „Mein kleiner Soldat" eingeläutet doch gleich im Anschluss prescht man wieder deutlich flotter dahin. Hier fasst die Mannschaft die Thematik Kindersoldaten und die Verbrecher die Kinder zu solchen Taten anstiften sehr gut auf. Sehr menschenverachtend und streckenweise sehr melancholisch wird dies musikalisch umgesetzt und so hüpft die Formation hier ständig hin und her von brettenden in kürzere schleppende Breaks. Wieder deutlich in der Zeit zurück geht es nun mit „Totentanz", wobei man hier durchwegs im doomig, stampfenden Gefilden verbleibt und nur kürzer ausbricht. Hier allerdings wird ordentlich Stoff gemacht und da rotieren die Thüringer ordentlich dahin. Abgerundet wird das Machwerk mit der sehr eisigen Nummer „Am Grab". Viele düstere Gefühle setzt man hier musikalisch um und das mit einer brachialen Gitarrenarbeit die einige parallelen zu manchen Black Metal Sachen aufkommen lassen. Dennoch man bleibt der Linie durchwegs treu und nur durch die Gitarrenarbeit kommt eben das beschriebene Feeling auf.

Fazit: Herrlich, erfrischendes Material das uns hier aus dem Osten Deutschlandes geboten wird. Die deutschen Lyrics lassen laut aufhorchen und dabei bekommen vor allem viele Neugierige bzw. Geschichtsinteressierte eine musikalische Reise geboten. Sauber kann man dazu nur sagen und sollte man sich zu Gemüte führen. Diese Herrschaften haben dadurch eigene Wege eingeschlagen und dazu kann man den Burschen von Macbeth nur gratulieren.

 
 

15/20

Macbeth schauen auf eine lange Geschichte zurück, auch wenn ihr Name nicht gerade vielen geläufig sein dürfte - zumindest im Westen. Denn die 1985 gegründete Band gehört zu den Pionieren der ehemaligen DDR in Sachen Heavy Metal. Bedingt durch die Ablehnung der damaligen Machthaber und mehreren Todesfällen innerhalb der Gruppe warf man gleich zweimal das Handtuch und 1993 war endgültig Schicht im Schacht. Aber seit 2002 gibt es Macbeth wieder. Und so kam es, dass man vor drei Jahren endlich eine vollständige Platte als Eigenproduktion in den Händen halten konnte. Mit Gotteskrieger liegt jetzt dessen Nachfolger vor.

Das Album bietet traditionell geprägten, deutschsprachigen Metal, der dezent Richtung Thrash schielt. Aber auch andere Einflüsse sind nicht zu überhören. Denn glücklicherweise haben wir es hier nicht mit einer reinen 80er Jahre Retrometalplatte zu tun. So dürfen es wie beim düstern „Golgatha“ auch mal Doom-Anleihen (wohl die musikalische Umsetzung von Mel Gibsons Die Passion Christi) oder hin und wieder auftauchende Amon Amarth-artige Gitarren sein (z.B. „Maikäfer flieg“). Musikalisch gibt es da gar nicht viel zu meckern. Songs wie das thrashige „Hunde wollt ihr ewig leben“, das radikale „Gotteskrieger“ oder das abschließende „Am Grab“ reißen sofort mit. Letzteres wurde äußerst dramatisch in Szene gesetzt und Streicher, die hier nicht zum einzigen Mal auftauchen, sorgen für zusätzliches Aufhorchen. Auch „Das Boot“ weiß eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Die Titelmelodie des gleich lautenden Films stand hier für das Gitarrenintro Pate. Ein Detail welches einem vielleicht nicht sofort auffällt.

Was einem gleich ins Ohr sticht, ist wie Macbeth beim interessant aufgebauten „Maikäfer flieg“ das alte, gleichnamige Lied verarbeitet wurde. Hier fällt einem erst wieder so richtig auf, welch düsteren Text dieses eigentlich trägt, den die Band hier deutlich ausgeweitet hat. Macbeth benutzen hier, genauso wie beim Rest der Lieder, ziemlich direkte Worte, die gerade bei der des Öfteren verarbeiteten Kriegsthematik ziemlich harsch rüberkommen. Dazu passt auch die Stimme von Olli Hippauf, der wie eine härtere Version von Eric Fish (Subway to Sally) rüberkommt.

Man kann Macbeth nur bescheinigen mit Gotteskrieger ein wirklich gutes Stück deutschsprachigen Hartmetalls geschaffen zu haben, auch wenn sich darauf ein paar bieder klingende Songs wie „Mein kleiner Soldat“ befinden. Dafür rifft die Band ziemlich gut und spendet dem Hörer ein paar unterhaltsame Minuten. Ein zwangloses Antesten wird empfohlen!

Mario Karl

 
 

5/6

Hoppla, da brat mir doch einer einen Storch. Nichtsahnend werfe ich den Gotteskrieger ein und bin ob der ersten Gitarrensalven bereits am Boden vor der Anlage kniend. Macbeth aus Erfurt sind keine Unbekannten mehr, reicht die Bandgeschichte doch bis ins Jahr 1985 zurück. Nach einigen Schicksalsschlägen, Irrungen und Wirrungen dürfen die Mannen um den nicht mehr so neuen Frontkreischer Olli Hippauf (Ex-Moshquito) ihr aktuelles Album über Massacre auf die Menschheit loslassen. 2006 konnte man bereits mit dem selbstbetitelten Debüt für Anerkennung in der Szene sorgen, ein Interview im Rock Hard durfte auch sein. Leider war aber dann nichts mehr zu hören.

Bis heute. Mit dem Gotteskrieger erfolgt ein Quantensprung in Sachen Sound, Songs und Performance. "Unter Dem Beil" und "Hunde Wollt Ihr Ewig Leben" prügeln wie ein Boxer auf dich ein. Orkanartig nehmen die fünf Thüringer mit ihrem angethrashten Metal unsere Seelen. "Das Boot" fährt mit der Titelmelodie des weltbekannten von Wolfgang Petersen verfilmten Buchheim-Dramas weitere Pluspunkte ein. "Golgatha" wildert in schredderndem Viking-Gebiet und verleiht dem Sound eine dunkle fiese Note. Olli bringt uns das zerbrochene Herz unverhohlen dar. Per akustischer Überleitung verlieren wir uns bei "Vater" und träumen zu doppelläufigen sanften Gitarrenleads. Das deutsche Textgut macht sich nicht negativ bemerkbar und von der im Beipackzettel erwähnten Onkelz-Nähe ist Gott sei Dank gar nichts zu vernehmen. Hört mal in den Text zu "Am Grab" rein. Wer einen lieben Menschen verloren hat, kann die gesungenen Worte nur allzu gut nachvollziehen und findet etwas Trost mit diesem Stück. Geht nah, ganz nah.
Im stampfenden "Maikäfer Flieg" darf ein junges Mädchen mit sanfter Stimme den Pre-Chorus zu einer allseits bekannten Kindermelodie ("Schlaf, Kindlein, schlaf") singen. Der von Streichern unterlegte Mittelteil bringt Abwechslung ins metallische Treiben. Die Gitarren regeln über das ganze Album, Ralf Klein und Alexander Kopp spielen songdienlich, glänzen aber mit einem Gespür für saubere Arrangements, fein ausgearbeitete Soli und ins Mark treffende Riffs.

Starkes Teil, das vor allem aufgeschlossenen aber auch old school Thrashern gefallen dürfte und wie ein sorgsam frisch gezapftes Hefe wohltuend die Kehle runterlaufen sollte. Diese bockstarke Scheibe muss in jeden Thrashhaushalt und sollte von jedem Kuttenfreund mal gehört werden. "Mein Kleiner Soldat" bringt es auf den Punkt. Ich bin ein Soldat, der Macbeth hoffnungslos ergeben ist. Beide Daumen hoch für ein Gitarrenbrett erster Güte, das so schnell nicht aus der Anlage will!

Siebi

 
 

8/10

...und ein Mädchen singt "Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg, deine Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt"...

Es gibt Alben, die dürfen einfach nicht unter den Tisch gekehrt werden. Eines davon ist das zweite Machwerk der Erfurter MACBETH, die von sich behaupten kann, eine der ersten Heavy Metal Bands der ehemaligen DDR gewesen zu sein. Bis gegen sie nach einem Konzert im Herbst 1986 durch die höchste Ebene ein Spielverbot auf unbestimmte Zeit ausgesprochen wurde. Nach Umbenennung, Irrung, Wirrung und Auflösung (Wittenburg, "charismatischer Frontmann, der entscheidend zum Erfolg der Band beitrug", saß wegen einer Bagatelle von 1988 bis 1989 über ein Jahr im Knast, und erhängte sich im Dezember des Mauerfalljahres) nahm die Band im Frühjahr 1993 wieder Aktivitäten auf. Nachdem sich dann aber der Schlagzeuger das Leben nahm, indem er von einem Hochhaus sprang, wurde die Band abermals auf Eis gelegt. 2006 schließlich erschien der erste, selbstbetitelte Longplayer MACBETHs, so dass dem Tape Trading endlich Ende gesetzt wurde.

Der zweite Output "Gotteskrieger" ist straighter, teils sehr drückender, tempomäßig variabler Heavy Metal mit leichten Thrash Anbiederungen, der durch deutsche Texte geprägt ist. Diese gehen unter die Haut, da sie vollgepackt sind mit düsteren Erzählungen vom Krieg, vom verblendet sein, vom abrichten und vom Tod. Erzählt werden diese vom Sänger Olli Hippauf, der thüringisch üblich fast jedes rrrrr rrrrrollt. Mal abgesehen davon besitzt er eine packende, angeraute Stimme, die die inhaltlichen Abgründe authentisch transportiert. Bekanntestes Mitglied ist Produzent und Sessionmusiker Patrick W. Engel am Schlagzeug, der wie der Rest der Band technisch nicht über den Wolken wohnt, aber mit beiden Beinen ordentlich den Boden zum Vibrieren bringt. So ist "Gotteskrieger" weiterhin gekennzeichnet durch relativ simplen Songaufbau und in den Refrain laufende Songstrukturen, die immer wieder die Pelle gefrieren lassen. Vor allem aber lassen sich MACBETH kleine Schmankerl einfallen, um dem Hörer immer wieder ein Schmunzeln zusammen mit einem Schauer zu entlocken, mithin Abwechslung zu bieten. So gibt es "New York, New York" auf der Miniatur Drehorgel, "Das Boot" zeigt zu Beginn und am Ende eine Metalversion des Soundtracks zum legendären Film, um dann mit "Lilli Marleen" gesungen von Marlene Dietrich (die inoffizielle Hymne der Soldaten an sämtlichen Fronten) auszuklingen, ein Mädchen sing traurig den oben beschriebenen Schwur des letzten Hitler-Jugend-Jahrgangs vom April 1945 ("Maikäfer flieg...").

Grundsolider Metal, der jederzeit durch die Gitarrenriffs aggressiv ist, nie aufgesetzt wirkt, und dabei Geschichten erzählt, ist eine Seltenheit geworden. MACBETH bilden auch deshalb eine Ausnahme, da sie nicht schwammig sind, sondern in festen Strukturen ihr Antikriegs-Ding durchziehen. Somit ist "Gotteskrieger" eine kleine Überraschung und eine klare Kaufempfehlung an all diejenigen, die trotz eines rollenden "R" Metal lieben. Und die Frage, ob dieses Album eine Chance hätte, wenn es nicht von einer Band kommen würde, die eben diesen Kultstatus genießt, muss ganz klar mit JA beantwortet werden

Clement

 
 

8/10

Erfurt rüstet auf! Nicht nur, das Eisregen und die Apokalyptischen Reiter momentan mehr als erfolgreich durch die Republik holzen, nun schickt sich auch Macbeth an, in die Phalanx der etablierten thüringischen Bands einzubrechen. Nun ist es aber mit der einst erfolgreichen DDR Band eine ganz andere Geschichte. Wurde man 1987 mit einem Auftrittsverbot belegt und musste man persönliche Schicksalsschläge verkraften, hat der Fünfer jetzt erst, geschlagenen 24 Jahren nach der eigentlichen Bandgründung ihr Debüt in Form von „Gotteskrieger“ vorgelegt. Eine Scheibe, die so herrlich oldschool ist, ohne dabei anzubiedern oder unmodern zu klingen.

Das herausragendste Merkmal der Powermetaller ist der Gesang, der ganz in deutscher Sprache daherkommt, dennoch niemals pathetisch oder gar anbiedernd klingt. Musikalisch rocken Macbeth einen fetten Sound, der mich an eine harte Version von Armored Saint erinnert und nicht, wie im Promoflyer von Massacre Records angepriesen, Thrash beinhaltet. Klar sind die Jungs heavy, doch Thrash ist für mich was anderes. Egal, die 10 auf diesem famosen Silberling befindlichen Songs strotzen nur so vor Eigenständigkeit und brillanten Ideen, textlichen Feinheiten und eingängigen Hooklines, das es eine wahre Freude ist. Olli Hippauf’s Stimme ist glasklar zu verstehen, die Gitarrenfraktion hauen ein mächtiges Riff nach dem anderen raus und die Rhythmus-Sektion legt einen mächtigen Teppich. Kurzum: Macbeth sind eine Einheit und das merkt man. Die Lyriks haben das richtige Versmaß („…Leichen türmen sich in Gräben, es geht nur ums Überleben…“ aus „Hunde wollt Ihr ewig leben“) und machen jeden Song aufs angenehmste transparent. Ebenfalls punkten tun die Thüringer mit musikalischen Feinheiten, die so manchen Song zum Klassiker mutieren lassen. „Das Boot“ beispielsweise beinhaltet die Originalmelodie von Klaus Doldinger aus dem gleichnamigen Film, welche geschickt in den Song eingebaut ist. Und auch das bekannte Antikriegslied „Maikäfer flieg“ bekommt durch die Interpretation von Macbeth und dem durch eine Kinderstimme gesungenen Refrain einen ganz neuen Anstrich.

Gotteskrieger“ ist ein tolles, weil innovatives, herrlich frisches obwohl altmodisches Album, welches fett produziert mich mit tollen Songs mitgerissen und begeistert hat. Ich hoffe, das die Jungs schnellstmöglich mal auf Tour gehen, denn diese Songs verdienen es, umgehend live dargeboten zu werden. Daumen hoch!

Olaf

 

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